SVP Küttigen - Rombach
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28.02.2010

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Die Entstehung der BGP - später SVP

verfasst von Ernst Graf-Riebel im Frühjahr 1986; ergänzt 2005 durch Markus Iberg (personelle Veränderungen seit 1986)

Vorwort

Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1802 waren die Städte und Dörfer noch nicht so gross wie heute. Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir uns mit unseren Gedanken stark umstellen. Ausser der Landwirtschaft und dem Gewerbe gab es keine Arbeitseinrichtungen. Fabriken kannte man noch nicht. So war es auch leichter, kulturelle Vereinigungen zu gründen. Zeitungen, Radio und Fernsehen waren noch unbekannt. Und doch mussten für Vorschläge in Behörde und Kommissionen Vereinigungen bestehen, die den Mitbürgern Vorschläge unterbreiteten, denn wir hatten ja schon damals demokratische Einrichtungen, ähnlich wie heute. Wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Küttigen war, konnte ich nicht ausfindig machen. Ab 1870 dann aber sind wir orientiert. Damals bestand in unserer Gemeinde eine überaus aktive und rührige Lesegesellschaft. Diese zählte als Mitglieder die ganze aktive Bürgerschaft, also vom Pfarrer, Schulmeister, Behördemitglieder, Gewerbetreibende bis zur Bürgerschaft. Aus diesem Kreis wurden die Vorschläge den Mitbürgern bekannt gegeben. Parteien bestanden ja keine. Bemerkenswert ist, dass dieser Leseverein in den Wintermonaten, für uns kaum vorstellbar, wöchentliche Zusammenkünfte durchführte, an denen immer ein Vortrag gehalten wurde, sei es vom Pfarrer, Lehrer oder einem aktiven Mitbürger. Erwähnenswert ist, dass einmal sogar über eine Weltausstellung in Paris diskutiert wurde. In den 80-iger Jahren müssen Auftragsschwierigkeiten geherrscht haben. Man vermutete, dass durch eine solche Ausstellung vermehrte Aufträge , also eine Belebung des Gewerbes, eingehen könnten. Als mit der Entstehung von Fabriken eine neue Erwerbsgruppe entstand, kam eine neue Bewegung.

Parteiengründung

In den 90-iger Jahren entstand die Grütlipartei. So kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Auf der einen Seite die Bürgerlichen und auf der andern Seite die Sozialdemokraten. Die Freisinnigen und die Bauern bildeten einen Block. Die soziale Arbeiterschaft gründete 1906 in Küttigen eine Partei. Es blieb aber ruhig, und der Weltkrieg 1914-1918 brachte natürlich wieder einen Stillstand ins politische Leben.

Am 13. Oktober 1918 entschied sich das Schweizervolk für die Einführung des Nationalratsproporzes. Das veranlasste den aarg. Bauernstand, sich mit der neuen Sachlage zu befassen. Der bäuerliche Berufsstand hatte sowieso das Gefühl, dass seine gewaltige Leistung auf dem Gebiete der Volksernährung der vergangenen Kriegszeit zu wenig gewürdigt wurde. Ein grosser Vorkämpfer war der Bauer und Offizier Rudolf Minger. In den Abstimmungen folgten die Bauern den Wahlparolen der Freisinnigen. Im Aargau existierten zu jener Zeit zwei lose Organisationen: Die aargauische landwirtschaftliche Gesellschaft für Bildungs- und Fachfragen und der aargauische Bauernbund, der wirtschaftliche Fragen hätte bearbeiten müssen.
Im Winter 1918/19 muss es namentlich in den Bezirken des Berner-Aargau zu brodeln begonnen haben. Am 26. Januar 1918 soll es in der Kirche von Kulm eine von über 1000 Personen besuchte Versammlung gegeben haben, an der die Bezirkspartei Kulm gegründet wurde. Die Gründung der aarg. Bauern- und Bürgerpartei fand erst am 18. Dezember 1920 im Roten Haus in Brugg statt. Wegen der damals herrschenden Seuche musste die Versammlung hinausgeschoben werden. Die Leitung der Versammlung hatte Nationalrat J. Baumann, Schafisheim. Am 13. März 1921 wurde das vom Grossrat vorgelegte Gesetz über die Proporzwahl vom Aargauervolk angenommen. Im Gegensatz zur Nationalratswahl, bei der das Kandidatensystem gilt, wurde im Aargau das Listensystem eingebaut.

Am 14. April 1921 waren die Grossratswahlen. Im Bezirk Aarau marschierte man noch mit einer bürgerlichen Liste. Es soll Überraschungen und Enttäuschungen gegeben haben. Auf all Fälle bedeutete das Wahlresultat für die damalige BBP einen grossen Erfolg, zählte sie doch im Rat der 200’ 47 Mitglieder. Die grossen Staatspolitiker Ständerat Isler und Ständerat Keller und der populäre Aarauer Stadtammann Hässig seien den Tücken des Listensystems zum Opfer gefallen.

In unserer Gemeinde muss sich der kant. Wandel ähnlich ausgewirkt haben. Von 1920 bis 1928 konnte ich keine schriftlichen Unterlagen ausfindig machen. Wir wissen lediglich, dass als vermutlich erster Vorsitzender der damaligen Bauernpartei (BP) Hans Bolliger, Sigrist und Friedensrichter, geamtet hat. Erst 1929 nahm die Partei in Küttigen den im ganzen Kanton üblichen Namen Bauern- und Bürgerpartei an. Die Partei war aber noch nicht selbständig. Der Vorstand war ein Bündnis von beiden Parteien (der Freisinnigen und der Bauern). Die beiden Präsidenten teilten sich im Vorstand so auf, dass einer Präsident und der andere Vize war. Die Versammlungen hingegen wurden getrennt durchgeführt, doch war meistens - wie aus den Protokollen ersichtlich ist - ein Vertreter der andern Partei dabei. Das ging so bis 1952, als der damalige Präsident, Robert Wehrli, diesem Spiel ein Ende bereitete. Erfreulich darf festgehalten werden, dass die Versammlungen meistens gut besucht waren. Teilnehmerzahlen von über 40 waren fast die Regel. Ein Protokoll stand mir nur für die Jahre 1929 - 1957 zur Verfügung. Es zeigt, wie wichtig die Sammlung und Aufbewahrung für später ist. Behandelt und besprochen wurden vor allem Gemeindeangelegenheiten, aber immer auch die Wahlen von der Gemeinde bis hin zur Bundesversammlung.

Erst im Sommer 1937 wurde die Dachorganisation, also der Zusammenschluss amtlicher kantonaler Parteien, beschlossen. Die Schweizerische Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei wurde mit einem zeitgemässen Programm gegründet. Im Aargau zog es nun auch die Ausweitung des Parteinamens nach sich, also in die BGB.

Übergang zur Mittelstandspartei, also BGB

Was der bernischen Schwesterpartei vollends und der zürcherischen in weitem Umfang gelang, konnte die Aarg. BGB nie im gleichen Masse verwirklichen. Die Konservativen vermochten ihren Bauernflügel zum Teil beizubehalten, und auch die Freisinnigen behielten einige Landwirte. Deshalb blieb bis anfangs der Fünfzigerjahre die Aarg. BGB als Bauernpartei abgestempelt. Obgleich sich die Partei als Sachwalter des Gewerbestandes ansah, konnten ihre Vertreter nie in die gewerbliche Dachvereinigung des Kantons vorstossen. Es blieb eine Domäne des Freisinns. Eine Änderung trat erst ein, als Nationalrat Baumann, Schafisheim, das Präsidium des Aarg. Wirteverbandes übernehmen konnte. Nachher präsidierte ein SVP-Mann, Christian Speck, den Aarg. Gewerbeverband.

In den Sektionen begann aber ein interner Umstrukturierungsprozess. Am 14. Februar 1952 erklärte sich die Partei zur Mittelstandspartei. Fortan sollte die Partei zur politischen Sammlungsbewegung aller mittelständisch Denkenden aus Landwirtschaft, Gewerbe und Arbeitnehmerschaft werden. Es ist unverkennbar , dass mit dem zweiten B die Bürger der unselbständig Erwerbenden immer mehr in Erscheinung traten. So wurde 1969 erstmals ein Regierungsrat gewählt, der mit der Landwirtschaft in keiner Weise verbunden war,
Dr. Jörg Ursprung.

Übergang zur SVP

Gegen Ende der 60-iger Jahren begannen in den oberen Gremien die Diskussionen über den Zusammenschluss von Fraktionen, um in den Eidg. Räten mehr Gewicht zu bekommen. Der grösste Kämpfer war der heutige Bundesrat, Leon Schlumpf. Als Nationalrat der Demokraten des Kantons Graubünden, verbunden mit den Zürchern und Glarnern, fand er mit politischen Vorstössen zu wenig Gewicht. Es ging um die Gründung einer demokratischen, mittelständischen Aktionsgemeinschaft. Aber auch seitens der BGB entstand ein echter Erneuerungswille. Unterstützt wurde der Gedanke vom damaligen Zentralpräsidenten, Nationalrat Hans Conzett, Zürich. Auch in ihm herrschte der Wunsch, sich von einer reinen Standespartei zu einer echten Volkspartei zu öffnen.

In Graubünden machte sich nun der geschätzte und anerkannte Nationalrat Schlumpf an die Arbeit. um mit der grossen bündnerischen Demokratischen Partei in die BGB übertreten zu können. Mit der Unterstützung von Gleichgesinnten gelang ihm das in kurzer Zeit. Es ging Schlumpf nicht darum, nur eine Partei ins Leben zu rufen, sondern sie musste nach Grundsätzen geleitet werden. Die Satzungen die er aufstellte und die im SVP-Programm enthalten sind, lauten wie folgt:

  • die Ausrichtung der Politik auf die Bedürfnisse des Menschen, insbesondere der sozial schwachen und benachteiligten Mitmenschen
  • die Forderung der Familie
  • der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
  • der Ausgleich der Interessen und die soziale und wirtschaftliche Forderung aller Volkskreise
  • die Erhaltung des Rechtsstaates und der fortschrittliche Ausbau seiner Einrichtungen nach dem Grundsatz von Freiheit und Demokratie
  • die Erhaltung der schweizerischen Unabhängigkeit auf der Grundlage der Neutralität und der internationalen Solidarität

Am 22. September 1971 erfolgte in Bern die Gründung der Schweizerischen Volkspartei.

Die Präsidenten unserer Sektion

Wie aus den Protokollen ersichtlich. muss als erster Vorsitzender unserer Sektion Hans Bolliger, Sigrist und Friedensrichter gelten. An der Generalversammlung vom 6. März 1929 wurde bei einer Beteiligung von 38 Mann Jakob Basler, Kreuzweg, zum neuen Präsidenten erkoren. Seine Amtszeit dauerte bis 1943.

Ab 6. März 1943 amtete als Präsident Fritz Bircher. Benkenstrasse (früher Trottengasse). Durch Tod wegen Unglücksfalles endete diese Tätigkeit leider schon 1947.

Am 24. März 1947 trat Basler Walter sein Erbe an. Er übte aber diese Tätigkeit nur 3 Jahre aus .

Am 27. Mai 1950 wurde Robert Wehrli. Oberdorf. zum neuen Vorsitzenden ernannt. Er war in dieser Funktion bis 1958.

1958 übernahm Hans Bircher. Sagermeister. die Leitung unserer Partei und hielt diese bis 1969 inne.

1970 trat dann Walter Bircher, Bankangestellter. in die Fussstapfen eines Vorsitzenden.

Nach 4 Jahren, 1974 wurde Hans Jörg Wehrli Präsident bis 1981 dann folgte die Übergabe an Jules Meile.

1984 erfolgte dann der Übergang an Urs Ursprung.

1990 übernahm Herbert Schlunegger die Geschicke der Ortspartei.

1999 folgte Dieter Hauser, der gleichzeitig mit dem Eintritt in die Partei sofort das Präsidium übernahm.

2002 Dieter Hauser übergab das Zepter an Roland Teuscher, nachdem er zu Beginn des Jahres die Funktion eines Gemeinderates übernommen hatte. Roland war aus beruflichen Gründen nicht mehr als Gemeinderat angetreten.

2005 Markus Iberg übernahm im März das Präsidium, weil Roland Teuscher seine Kapazitäten auf eine Weiterbildung konzentrieren wollte.

2010 Grossrat Daniel Wehrli zieht im März zusammen mit Maya Hunziker und Leonhard Euler in den Vorstand ein und übernimmt sogleich das Präsidium.

Behördenvertreter

Als erster Vertreter im Gemeinderat wurde Gottlieb Wehrli-Kyburz im Jahre 1929 gewählt. Er bekam gleich das Amt eines Vizeammanns. Als sein Nachfolger wurde ca. 1943 Fritz Bircher in die Behörde abkommandiert. Das genaue Datum konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Wann er Vizeammann wurde, ist aus den Protokollen auch nicht ersichtlich. Doch 1947 als er infolge Unglücksfall von dieser Welt Abschied nehmen musste, verstarb er in der Funktion des Vizeammanns. Im Jahre 1947 wurde dann der erst 26-jährige Robert Wehrli in die Behörde gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1973. Als sein Nachfolger amtete dann Jules Meile in der Behörde und als Vertreter unserer Partei bis 1981. Auf ihn folgte Rolf Blattner, Zur Mühle, ab 1.1.1982, Vizeammann ab 1986. Erst 12 Jahre später gab er sein Amt ab und der erst 28 jährige Roland Teuscher übernahm die Vertretung der SVP. 4 Jahre später verzichtete Roland aus beruflichen Gründen auf eine neue Kandidatur. Die Ortspartei konnte sich im Jahre 2001 gegen einen FDP-Kandidaten durchsetzen und sowohl Max Wehrli wie auch Dieter Hauser im Rat platzieren.

Grossräte

1933 war unsere Partei im Grossrat durch Julius Graf, Gemeindeschreiber, vertreten. Von den Angehörigen konnte ich die Dauer seines Wirkens nicht zuverlässig erfahren.

Erst ab 24. März 1957 war es unserer Ortspartei wieder möglich, einen Vertreter aus unserer Gemeinde in die gesetzgebende Behörde abzuordnen, und zwar in der Person von Hans Bircher, Sagermeister. Er versah dieses Amt bis Anfang 1969. 1970 konnte Dr. Hans Jörg Wehrli im Pfang nachrutschen und blieb für 23 Jahre bis 1993 im Rat. Nach einer Pause von 4 Jahren konnten wir 1997 den Reb- und Weinbauer Peter Wehrli nach Aarau entsenden, wo er inzwischen die vierte Amtsperiode in Angriff genommen hat. Im Frühling 2009 zog auch Holzbau-Unternehmer Daniel Wehrli nach einem entschlossenen Wahlkampf in den Grossrat ein.

 

 

 
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