| Die
Entstehung der BGP - später SVP
verfasst von Ernst Graf-Riebel im Frühjahr 1986; ergänzt
2005 durch Markus Iberg (personelle Veränderungen seit
1986)
Vorwort
Nach der Gründung des Kantons Aargau
im Jahre 1802 waren die Städte und Dörfer noch nicht
so gross wie heute. Wenn wir das verstehen wollen, müssen
wir uns mit unseren Gedanken stark umstellen. Ausser der Landwirtschaft
und dem Gewerbe gab es keine Arbeitseinrichtungen. Fabriken
kannte man noch nicht. So war es auch leichter, kulturelle
Vereinigungen zu gründen. Zeitungen, Radio und Fernsehen
waren noch unbekannt. Und doch mussten für Vorschläge
in Behörde und Kommissionen Vereinigungen bestehen, die
den Mitbürgern Vorschläge unterbreiteten, denn wir
hatten ja schon damals demokratische Einrichtungen, ähnlich
wie heute. Wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Küttigen
war, konnte ich nicht ausfindig machen. Ab 1870 dann aber
sind wir orientiert. Damals bestand in unserer Gemeinde eine
überaus aktive und rührige Lesegesellschaft. Diese
zählte als Mitglieder die ganze aktive Bürgerschaft,
also vom Pfarrer, Schulmeister, Behördemitglieder, Gewerbetreibende
bis zur Bürgerschaft. Aus diesem Kreis wurden die Vorschläge
den Mitbürgern bekannt gegeben. Parteien bestanden ja
keine. Bemerkenswert ist, dass dieser Leseverein in den Wintermonaten,
für uns kaum vorstellbar, wöchentliche Zusammenkünfte
durchführte, an denen immer ein Vortrag gehalten wurde,
sei es vom Pfarrer, Lehrer oder einem aktiven Mitbürger.
Erwähnenswert ist, dass einmal sogar über eine Weltausstellung
in Paris diskutiert wurde. In den 80-iger Jahren müssen
Auftragsschwierigkeiten geherrscht haben. Man vermutete, dass
durch eine solche Ausstellung vermehrte Aufträge , also
eine Belebung des Gewerbes, eingehen könnten. Als mit
der Entstehung von Fabriken eine neue Erwerbsgruppe entstand,
kam eine neue Bewegung.
Parteiengründung
In den 90-iger Jahren entstand die Grütlipartei.
So kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Auf der einen Seite
die Bürgerlichen und auf der andern Seite die Sozialdemokraten.
Die Freisinnigen und die Bauern bildeten einen Block. Die
soziale Arbeiterschaft gründete 1906 in Küttigen
eine Partei. Es blieb aber ruhig, und der Weltkrieg 1914-1918
brachte natürlich wieder einen Stillstand ins politische
Leben.
Am 13. Oktober 1918 entschied sich das Schweizervolk für
die Einführung des Nationalratsproporzes. Das veranlasste
den aarg. Bauernstand, sich mit der neuen Sachlage zu befassen.
Der bäuerliche Berufsstand hatte sowieso das Gefühl,
dass seine gewaltige Leistung auf dem Gebiete der Volksernährung
der vergangenen Kriegszeit zu wenig gewürdigt wurde.
Ein grosser Vorkämpfer war der Bauer und Offizier Rudolf
Minger. In den Abstimmungen folgten die Bauern den Wahlparolen
der Freisinnigen. Im Aargau existierten zu jener Zeit zwei
lose Organisationen: Die aargauische landwirtschaftliche Gesellschaft
für Bildungs- und Fachfragen und der aargauische Bauernbund,
der wirtschaftliche Fragen hätte bearbeiten müssen.
Im Winter 1918/19 muss es namentlich in den Bezirken des Berner-Aargau
zu brodeln begonnen haben. Am 26. Januar 1918 soll es in der
Kirche von Kulm eine von über 1000 Personen besuchte
Versammlung gegeben haben, an der die Bezirkspartei Kulm gegründet
wurde. Die Gründung der aarg. Bauern- und Bürgerpartei
fand erst am 18. Dezember 1920 im Roten Haus in Brugg statt.
Wegen der damals herrschenden Seuche musste die Versammlung
hinausgeschoben werden. Die Leitung der Versammlung hatte
Nationalrat J. Baumann, Schafisheim. Am 13. März 1921
wurde das vom Grossrat vorgelegte Gesetz über die Proporzwahl
vom Aargauervolk angenommen. Im Gegensatz zur Nationalratswahl,
bei der das Kandidatensystem gilt, wurde im Aargau das Listensystem
eingebaut.
Am 14. April 1921 waren die Grossratswahlen.
Im Bezirk Aarau marschierte man noch mit einer bürgerlichen
Liste. Es soll Überraschungen und Enttäuschungen
gegeben haben. Auf all Fälle bedeutete das Wahlresultat
für die damalige BBP einen grossen Erfolg, zählte
sie doch im Rat der 200’ 47 Mitglieder. Die grossen
Staatspolitiker Ständerat Isler und Ständerat Keller
und der populäre Aarauer Stadtammann Hässig seien
den Tücken des Listensystems zum Opfer gefallen.
In unserer Gemeinde muss sich der kant. Wandel ähnlich
ausgewirkt haben. Von 1920 bis 1928 konnte ich keine schriftlichen
Unterlagen ausfindig machen. Wir wissen lediglich, dass als
vermutlich erster Vorsitzender der damaligen Bauernpartei
(BP) Hans Bolliger, Sigrist und Friedensrichter, geamtet hat.
Erst 1929 nahm die Partei in Küttigen den im ganzen Kanton
üblichen Namen Bauern- und Bürgerpartei an. Die
Partei war aber noch nicht selbständig. Der Vorstand
war ein Bündnis von beiden Parteien (der Freisinnigen
und der Bauern). Die beiden Präsidenten teilten sich
im Vorstand so auf, dass einer Präsident und der andere
Vize war. Die Versammlungen hingegen wurden getrennt durchgeführt,
doch war meistens - wie aus den Protokollen ersichtlich ist
- ein Vertreter der andern Partei dabei. Das ging so bis 1952,
als der damalige Präsident, Robert Wehrli, diesem Spiel
ein Ende bereitete. Erfreulich darf festgehalten werden, dass
die Versammlungen meistens gut besucht waren. Teilnehmerzahlen
von über 40 waren fast die Regel. Ein Protokoll stand
mir nur für die Jahre 1929 - 1957 zur Verfügung.
Es zeigt, wie wichtig die Sammlung und Aufbewahrung für
später ist. Behandelt und besprochen wurden vor allem
Gemeindeangelegenheiten, aber immer auch die Wahlen von der
Gemeinde bis hin zur Bundesversammlung.
Erst im Sommer 1937 wurde die Dachorganisation, also der Zusammenschluss
amtlicher kantonaler Parteien, beschlossen. Die Schweizerische
Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei wurde mit einem zeitgemässen
Programm gegründet. Im Aargau zog es nun auch die Ausweitung
des Parteinamens nach sich, also in die BGB.
Übergang zur Mittelstandspartei,
also BGB
Was der bernischen Schwesterpartei vollends
und der zürcherischen in weitem Umfang gelang, konnte
die Aarg. BGB nie im gleichen Masse verwirklichen. Die Konservativen
vermochten ihren Bauernflügel zum Teil beizubehalten,
und auch die Freisinnigen behielten einige Landwirte. Deshalb
blieb bis anfangs der Fünfzigerjahre die Aarg. BGB als
Bauernpartei abgestempelt. Obgleich sich die Partei als Sachwalter
des Gewerbestandes ansah, konnten ihre Vertreter nie in die
gewerbliche Dachvereinigung des Kantons vorstossen. Es blieb
eine Domäne des Freisinns. Eine Änderung trat erst
ein, als Nationalrat Baumann, Schafisheim, das Präsidium
des Aarg. Wirteverbandes übernehmen konnte. Nachher präsidierte
ein SVP-Mann, Christian Speck, den Aarg. Gewerbeverband.
In den Sektionen begann aber ein interner Umstrukturierungsprozess.
Am 14. Februar 1952 erklärte sich die Partei zur Mittelstandspartei.
Fortan sollte die Partei zur politischen Sammlungsbewegung
aller mittelständisch Denkenden aus Landwirtschaft, Gewerbe
und Arbeitnehmerschaft werden. Es ist unverkennbar , dass
mit dem zweiten B die Bürger der unselbständig Erwerbenden
immer mehr in Erscheinung traten. So wurde 1969 erstmals ein
Regierungsrat gewählt, der mit der Landwirtschaft in
keiner Weise verbunden war,
Dr. Jörg Ursprung.
Übergang zur SVP
Gegen Ende der 60-iger Jahren begannen in
den oberen Gremien die Diskussionen über den Zusammenschluss
von Fraktionen, um in den Eidg. Räten mehr Gewicht zu
bekommen. Der grösste Kämpfer war der heutige Bundesrat,
Leon Schlumpf. Als Nationalrat der Demokraten des Kantons
Graubünden, verbunden mit den Zürchern und Glarnern,
fand er mit politischen Vorstössen zu wenig Gewicht.
Es ging um die Gründung einer demokratischen, mittelständischen
Aktionsgemeinschaft. Aber auch seitens der BGB entstand ein
echter Erneuerungswille. Unterstützt wurde der Gedanke
vom damaligen Zentralpräsidenten, Nationalrat Hans Conzett,
Zürich. Auch in ihm herrschte der Wunsch, sich von einer
reinen Standespartei zu einer echten Volkspartei zu öffnen.
In Graubünden machte sich nun der geschätzte
und anerkannte Nationalrat Schlumpf an die Arbeit. um mit
der grossen bündnerischen Demokratischen Partei in die
BGB übertreten zu können. Mit der Unterstützung
von Gleichgesinnten gelang ihm das in kurzer Zeit. Es ging
Schlumpf nicht darum, nur eine Partei ins Leben zu rufen,
sondern sie musste nach Grundsätzen geleitet werden.
Die Satzungen die er aufstellte und die im SVP-Programm enthalten
sind, lauten wie folgt:
- die Ausrichtung der Politik auf die
Bedürfnisse des Menschen, insbesondere der sozial schwachen
und benachteiligten Mitmenschen
- die Forderung der Familie
- der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
- der Ausgleich der Interessen und die
soziale und wirtschaftliche Forderung aller Volkskreise
- die Erhaltung des Rechtsstaates und
der fortschrittliche Ausbau seiner Einrichtungen nach dem
Grundsatz von Freiheit und Demokratie
- die Erhaltung der schweizerischen Unabhängigkeit
auf der Grundlage der Neutralität und der internationalen
Solidarität
Am 22. September 1971 erfolgte in Bern die
Gründung der Schweizerischen Volkspartei.
Die Präsidenten unserer Sektion
Wie aus den Protokollen ersichtlich. muss
als erster Vorsitzender unserer Sektion Hans Bolliger, Sigrist
und Friedensrichter gelten. An der Generalversammlung vom
6. März 1929 wurde bei einer Beteiligung von 38 Mann
Jakob Basler, Kreuzweg, zum neuen Präsidenten erkoren.
Seine Amtszeit dauerte bis 1943.
Ab 6. März 1943 amtete als Präsident
Fritz Bircher. Benkenstrasse (früher Trottengasse). Durch
Tod wegen Unglücksfalles endete diese Tätigkeit
leider schon 1947.
Am 24. März 1947 trat Basler Walter sein Erbe an. Er
übte aber diese Tätigkeit nur 3 Jahre aus .
Am 27. Mai 1950 wurde Robert Wehrli. Oberdorf.
zum neuen Vorsitzenden ernannt. Er war in dieser Funktion
bis 1958.
1958 übernahm Hans Bircher. Sagermeister.
die Leitung unserer Partei und hielt diese bis 1969 inne.
1970 trat dann Walter Bircher, Bankangestellter. in die Fussstapfen
eines Vorsitzenden.
Nach 4 Jahren, 1974 wurde Hans Jörg
Wehrli Präsident bis 1981 dann folgte die Übergabe
an Jules Meile.
1984 erfolgte dann der Übergang an
Urs Ursprung.
1990 übernahm
Herbert Schlunegger die Geschicke der Ortspartei.
1999 folgte Dieter Hauser, der gleichzeitig
mit dem Eintritt in die Partei sofort das Präsidium übernahm.
2002 Dieter Hauser übergab das Zepter
an Roland Teuscher, nachdem er zu Beginn des Jahres die Funktion
eines Gemeinderates übernommen hatte. Roland war aus
beruflichen Gründen nicht mehr als Gemeinderat angetreten.
2005 Markus Iberg übernahm im März
das Präsidium, weil Roland Teuscher seine Kapazitäten
auf eine Weiterbildung konzentrieren wollte.
2010 Grossrat Daniel Wehrli zieht im März
zusammen mit Maya Hunziker und Leonhard Euler in den Vorstand
ein und übernimmt sogleich das Präsidium.
Behördenvertreter
Als erster Vertreter im Gemeinderat wurde
Gottlieb Wehrli-Kyburz im Jahre 1929 gewählt. Er bekam
gleich das Amt eines Vizeammanns. Als sein Nachfolger wurde
ca. 1943 Fritz Bircher in die Behörde abkommandiert.
Das genaue Datum konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Wann
er Vizeammann wurde, ist aus den Protokollen auch nicht ersichtlich.
Doch 1947 als er infolge Unglücksfall von dieser Welt
Abschied nehmen musste, verstarb er in der Funktion des Vizeammanns.
Im Jahre 1947 wurde dann der erst 26-jährige Robert Wehrli
in die Behörde gewählt. Dieses Amt bekleidete er
bis 1973. Als sein Nachfolger amtete dann Jules Meile in der
Behörde und als Vertreter unserer Partei bis 1981. Auf
ihn folgte Rolf Blattner, Zur Mühle, ab 1.1.1982, Vizeammann
ab 1986. Erst 12 Jahre später gab er sein Amt ab und
der erst 28 jährige Roland Teuscher übernahm die
Vertretung der SVP. 4 Jahre später verzichtete Roland
aus beruflichen Gründen auf eine neue Kandidatur. Die
Ortspartei konnte sich im Jahre 2001 gegen einen FDP-Kandidaten
durchsetzen und sowohl Max Wehrli wie auch Dieter Hauser im
Rat platzieren.
Grossräte
1933 war unsere Partei im Grossrat
durch Julius Graf, Gemeindeschreiber, vertreten. Von den Angehörigen
konnte ich die Dauer seines Wirkens nicht zuverlässig
erfahren.
Erst ab 24. März 1957 war es unserer Ortspartei wieder
möglich, einen Vertreter aus unserer Gemeinde in die
gesetzgebende Behörde abzuordnen, und zwar in der Person
von Hans Bircher, Sagermeister. Er versah dieses Amt bis Anfang
1969. 1970 konnte Dr. Hans Jörg Wehrli im Pfang nachrutschen
und blieb für 23 Jahre bis 1993 im Rat. Nach einer Pause
von 4 Jahren konnten wir 1997 den Reb- und Weinbauer Peter
Wehrli nach Aarau entsenden, wo er inzwischen die vierte Amtsperiode
in Angriff genommen hat. Im Frühling 2009 zog auch
Holzbau-Unternehmer Daniel Wehrli nach einem entschlossenen
Wahlkampf in den Grossrat ein.
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